Meine Erfahrungen mit einer Haartransplantation

23 August 2018 by Rick

Im April 2018 unterzog ich mich einer Haartransplantation. Ich bereue diese Entscheidung bis heute nicht, bin aber froh, mich vorher gut genug informiert zu haben. Bei solch einem großen Eingriff gibt es mehr zu beachten, als ich zu Beginn gedacht hätte.

Auch wenn ich nie lichtes Haar oder kahle Stellen am Kopf hatte, störten mich meine Geheimratsecken schon immer. Daher habe ich mich bei insgesamt drei Kliniken beraten lassen, die sich auf Haartransplantationen spezialisiert haben. Ich bin froh, dass ich nicht das erstbeste Angebot angenommen habe. Wie fast überall, gibt es nämlich auch in der „Haarbranche“ schwarze Schafe. Erst in der letzten Klinik fühlte ich mich wirklich gut aufgehoben und beraten. Ich hatte zweimal bei der Chirurgin selbst ein kostenloses Aufklärungsgespräch und fühlte mich bei ihr nie zu etwas gedrängt. In anderen Praxen hingegen lernte ich nicht einmal einen Arzt persönlich kennen, sondern nur angestellte Berater/Verkäufer. Diese zeichneten mir zudem eine Haarlinie ein, die in meinen Augen viel zu unnatürlich aussah.

Das gute Verhältnis zur letzten Ärztin sowie die Bilder der OP-Ergebnisse überzeugten mich schließlich und ich stimmte einem OP-Termin bei ihr zu. Einen Tag vor der Operation sollte ich mir den Hinterkopf sowie die Seiten auf einen Millimeter kahl rasieren. Von dort aus wurden mir mithilfe der sog. FUE-Methode die Haare entnommen, welche vorne verpflanzt werden sollten. Da es sich bei mir nur um kleinere, haarlose Areale handelte, brauchte ich mir im Vorfeld keine Vollglatze schneiden zu lassen.

Meine Operation verlief über zwei Tage. Nach einer beinahe zehnstündigen OP am ersten Tag wurden am zweiten Tag nur noch Feinheiten gemacht. Ich blieb nicht über Nacht, sondern konnte direkt nach Hause. Ich rate jedem von einer Haartransplantation ab, der nicht ernsthaft unter seiner Haarsituation leidet. Ich selber habe das Ausmaß der Operation trotz guter Beratung und Aufklärung unterschätzt. Die vielen Betäubungsspritzen, das lange Liegen bei völligem Bewusstsein und der unangenehme Eingriff an sich gehen wirklich an die Substanz.

Am Hinterkopf werden die Haare „herausgestanzt“ (siehe Bild) und danach in vorne eingeritzte Löcher wiedereingesetzt (FUE-Methode).

Unmittelbar nach der Operation

Direkt nach der Operation litt ich unter starken Kopfschmerzen und Kreislaufproblemen. Man sagte mir, dass ich etwa zwei Wochen nicht gesellschaftsfähig sein werde. Ich hatte mir extra drei Wochen Urlaub genommen, um zuhause bleiben zu können. Erst als ich in den Spiegel sah, wurde mir wirklich bewusst, wieso das auch nötig war. Die darauffolgenden Tage waren sehr anstrengend, denn nichts ist wichtiger, als die Pflege und Nachsorge: Ich durfte nur auf dem Rücken schlafen und musste darauf achten, dass mein Kopf nicht zur Seite rutscht. Duschen war für die ersten Tage absolut tabu. Die Haarwurzeln mussten sich zunächst noch festigen. Mit der Wundheilung kamen dann auch die Krusten, die nach und nach abgefallen sind. Bis heute habe ich jedoch noch mit trockener und schuppiger Kopfhaut zu kämpfen. Ich nehme auch nach wie vor ein spezielles Shampoo und darf keine Stylingprodukte wie Haargel oder Haarspray benutzen. Eine Haartransplantation ist tatsächlich ein schwerwiegender Eingriff, der mich auch noch Wochen nach der Operation beeinflusst/beeinträchtigt. Man darf das nicht unterschätzen.

1 Woche nach der Operation: Die Krusten fallen langsam ab.

Auch der Hinterkopf heilte Stück für Stück ab.

Vier Wochen nach der Operation durfte ich endlich das erste Mal zum Friseur. Wichtig war, dass meine Friseurin nicht an den Haaren zieht oder sonst wie Druck auf meinen Kopf ausübt.

Der Hinterkopf und die Seiten durften endlich wieder mit einer Haarschneidemaschine rasiert werden (6mm in diesem Fall). Das Haupthaar wurde vorsichtig mit der Schere geschnitten und angeglichen. Bis heute sind wir dabei, meinen ursprünglichen Haarschnitt wiederherzustellen. Das alles dauert länger, als gedacht.

Hier sieht man den sog. Spenderbereich noch deutlich. Dieses Areal wird auf ewig etwas lichter bleiben, da die entnommenen Haare dort nie wieder nachwachsen. Mittlerweile sind meine Haare etwa 12mm lang und der Bereich fällt wirklich niemandem mehr auf. Von den Wunden und Krusten war nach zwei Wochen rein gar nichts mehr zu sehen.

Mit dem Verlust der Krusten fallen jedoch auch so gut wie alle neuen Haare wieder aus. Das ist sehr deprimierend, allerdings völlig normal. Die Ärztin sagte mir, dass man erst drei Monate nach dem Eingriff mit ersten neuen Haaren rechnen kann.


2 Monate nach der OP

Das Endergebnis wird tatsächlich erst nach einem Jahr zu sehen sein. Ich muss mich also noch etwas gedulden. Gut acht Wochen nach der Operation ist aber das Schlimmste überstanden und ich kann schon erste Sprösslinge erkennen. Ich bin nach wie vor sehr vorsichtig, föne meine Haare nur lauwarm, benutze ein Shampoo aus der Apotheke und keine Stylingprodukte. Schmerzen oder sonstige Einschränkungen habe ich abgesehen von trockener Kopfhaut aber nicht.

Eine Haartransplantation darf auf keinen Fall als einfache Beauty-Behandlung abgetan werden. Es ist eine komplexe Operation, die einen langen und harten Heilungsprozess nach sich zieht und auch schiefgehen kann, wenn man sich nicht ausreichend informiert und beraten lässt. Wer nicht wirklich unter seiner Haarsituation leidet, sollte nicht so viel Geld und Zeit in die Hand nehmen und sich einer Haartransplantation unterziehen. Wer sich doch dafür entscheidet, sollte sich vernünftig bei verschiedenen Kliniken beraten lassen und sich bewusstmachen, dass er einen anstrengenden Weg vor sich hat. Wer schön sein will, muss manchmal eben wirklich leiden.

 

Rick
Mein Name ist Rick und ich bin Patient/Kunde bei my esthetic . Sehr gerne möchte ich meine Erfahrung bzgl. meiner Haartransplantation mit euch teilen.